Forchbahn und VBZ-Busse geben Rätsel auf

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11. März 2025 – Was ist das für eine Schotterpiste neben der Forchbahn zwischen Waldburg und Rehalp? Weshalb wurden so viele Bäume abgeholzt? Warum fährt vom Zollikerberg alle 4 (!) Minuten ein (oft leerer) VBZ-Bus Richtung Stadt? Fragen, die die Leute bewegen. Wir haben die Antworten.

900 Meter lange Schotterpiste zwischen Waldburg und Rehalp (Fotos: ZN)
900 Meter lange Schotterpiste zwischen Waldburg und Rehalp (Fotos: ZN)

VON RENE STAUBLI

Das ist bekannt: Weil die Haltestelle Waldburg nicht behindertengerecht ist und auch sonst modernen Ansprüchen nicht mehr genügt, wird sie bis Herbst 2027 um- und ausgebaut. Ausserdem werden die in die Jahre gekommenen Gleise zwischen Waldburg und Rehalp ersetzt.

Das verwundert: Warum wurde auf 900 Meter Länge so viel Wald abgeholzt? Und was soll die Schotterstrasse zwischen den Gleisen und dem Wald – wird da ein neuer Veloweg gebaut?

Diese Fragen treiben die Bevölkerung derzeit um. An einer Veranstaltung im Zollikerberg wurde am Samstag sogar Bauvorstand Dorian Selz darauf angesprochen. Zeit also, die Rätsel aufzulösen. Wir haben uns an Marc Rizzi gewandt, den Geschäftsführer der Forchbahn.

Kein neuer Veloweg

Die Schotterpiste habe nichts mit einem neuen Veloweg zu tun, sagt Rizzi. Man habe sie angelegt, um die Bauarbeiten an den Gleisen und den Fahrleitungen effizient und sicher von der Waldseite her ausführen zu können. «Wenn die Piste nicht wäre, hätte man die Forchstrasse teilweise oder ganz sperren müssen.» Nach dem Bau der neuen Gleise und Fahrleitungen werde die Schotterpiste bis auf einen schmalen Unterhaltsweg zurückgebaut.

War es wirklich nötig, dafür so viele Bäume zu opfern? Zieht die Natur gegenüber dem Verkehr wieder einmal den Kürzeren?

Den Waldstreifen habe man auch deshalb abgeholzt, um eine «Unterhaltszone» zu schaffen, sagt Rizzi. Auf dem 6 Meter breiten Streifen gebe es fortan nur noch niedrigen Pflanzenbewuchs. Damit könne man verhindern, dass bei Schnee, Wind oder Schnittarbeiten Äste auf die Gleise fallen oder die Fahrleitungen beschädigen. Um diese Zone zu schaffen, habe man die Waldgrenze um rund 4 Meter nach hinten verschoben: «Es wurden ungefähr 0,3 Hektaren Wald abgeholzt, was einem halben Fussballfeld entspricht – wir haben jedoch zusammen mit der Gemeinde Zollikon an der Talstrasse eine adäquate Fläche als Realersatz gefunden.»

Für Ortsunkundige: die Talstrasse führt von der Trichenhausermühle zum Spielplatz im Hasenbart. Zollikons Revierförster Marc Bodmer bestätigt Rizzis Angaben. Es gebe an der Talstrasse ein Stück Wiese, das aufgeforstet werden könne.

Das ÖV-Paradies vom Zollikerberg

Zwei VBZ-Busse lauern, weil der dritte noch an der Haltestelle steht
Zwei VBZ-Busse «lauern» bereits, während der dritte noch an der Haltestelle steht

Wer morgens vom Zollikerberg in die Stadt will, muss wegen der Bauarbeiten zwischen Waldburg und Rehalp den Bus nehmen. Es spielt keine grosse Rolle, wann man das Haus verlässt, denn es steht immer ein Bus an der Haltestelle. Alle 4 Minuten ist Abfahrt – wunderbar.

Judith Setz, die Leiterin der VBZ-Medienstelle, erklärt das generöse Angebot: Die Forchbahn habe eine Kapazität von rund 280 Passagieren, in einem Gelenkbus hingegen hätten nur rund 75 Personen Platz. «Damit es zu keinen überfüllten Bussen und zu Verzögerungen kommt, fahren die Ersatzbusse in einem dichteren Takt als die Forchbahn. Zu den Stosszeiten sind das alle vier Minuten.»

Dass für die VBZ der Begriff «Stosszeiten» dehnbar ist, führt allerdings auch dazu, dass die Busse oftmals praktisch leer unterwegs sind. Wer sich einrichten möchte: Vor 6.15 Uhr fahren die Busse ab Zollikerberg alle 7 Minuten, zwischen 6.15 und 9.30 Uhr alle 4 Minuten, zwischen 9.30 und 16.30 Uhr alle 7 Minuten, zwischen 16.30 und 19 Uhr alle 4 Minuten, zwischen 19 und 21 Uhr alle 7 Minuten und ab 21.57 Uhr bis Betriebsschluss um 23.57 Uhr nur noch jede halbe Stunde.

Der 910er-Bus fährt wie gewohnt, hält aber vorübergehend vor dem Coop, weil ihm die VBZ-Ersatzbusse den gewohnten Platz streitig machen. Unter dem Strich profitiert der Zollikerberg vorübergehend von einem ÖV-Angebot, das geradezu paradiesisch ist.

Die Sache mit der Kundenfreundlichkeit

Doch Achtung: Wer nach dem Ausgang spätabends mit dem 11er-Tram zur Rehalp hochfährt und auf den Bus Richtung Zollikerberg umsteigen möchte, sollte acht geben. Denn nach 21.30 Uhr hält der Bus nicht wie tagsüber unterhalb der Tramwendeschleife an der Schützenstrasse, sondern oberhalb der Schleife an der Forchstrasse.

Weil dieser Hinweis in der Dunkelheit an der Schützenstrasse nicht zu erkennen ist, müssen die  dort Wartenden regelmässig Richtung obere Haltestelle an der Forchstrasse sprinten, wenn der Bus auftaucht. Der Schreibende stolperte dabei über einen Randstein und schlug mit dem Kopf hart auf dem Asphalt auf – zum Glück ist nichts weiter passiert, ausser dass wir den Bus verpassten, auf den wir bereits 20 Minuten gewartet hatten.

Ärgerlich war die Reaktion des ehemaligen Forchbahn-Chefs, der als Pensionierter Aushilfsdienste leistet und am Steuer des nächsten Busses sass. Den Hinweis, man müsse den nächtlichen Wechsel des Abfahrtsortes sichtbarer kundtun, beantwortete er mit einem lakonischen «Soso?» und dem lapidaren Hinweis «online ist es publiziert». Auf der Zehnerskala der Kundenfreundlichkeit war das eine knappe 2.

Überblick über die weitere Bautätigkeit

6. bis 24. März: Vollsperrung der Forchbahnstrecke Rehalp – Spital Zollikerberg. Abbruch der Haltestelle Waldburg und des Gleises auf der Waldseite. Bahnersatzbusse.

24. März bis August: Bauarbeiten am Gleis auf der Waldseite und Baubeginn an der neuen Personenunterführung Waldburg.

August 2025 bis Juni 2026: Abbruch und Arbeiten am Gleis auf der Strassenseite, Werkleitungs- und Strassenbauarbeiten; der südliche Bereich zur Personenunterführung Waldburg wird erstellt.

Juni 2026 bis Dezember 2026: Fertigstellung der Personenunterführung Waldburg (inkl. 2 Lifte) und der Strassenbau- und der Gleisarbeiten. Inbetriebnahme der Haltestelle und der Personenunterführung.

Dezember 2026 bis Anfang 2027: Rückbauarbeiten und Aufforstung – ohne Einfluss auf den Bahnbetrieb der Forchbahn oder den Strassenverkehr.

Im Zusammenhang mit Nachtarbeiten kann es zu halbseitigen Sperrungen der Forchstrasse kommen, die mittels Verkehrsdienst geregelt werden. Zudem kann der Verkehr, falls erforderlich, zwischen 00.45 bis 5.Uhr über Zollikon umgeleitet werden.

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